Barnie Geröllheimer

Es war einmal ein fremder Stern, Dokomania, auf dem seltsame Vogelarten, über 400 an der Zahl, lebten. Es gab ganz verschiedene Vögel darunter: liebe, nette, geduldige, aber auch ehrgeizige, streitsüchtige und sogar weinerliche. Viele der Vögel waren klar erkennbar, auch wenn sie sich die verrücktesten Namen gaben. Andere wiederum trugen starke Brillen, auf dass sie keiner erkennen möge.

Sie säten nicht, sie ernteten nicht, sie spielten nur den lieben langen Tag.

Das Spiel wurde gesteuert von einer großen, großen Rechenmaschine und fand an regelrechten Tischen statt, die meist von 4-6 Vögeln bevölkert waren. Die Tische waren so gebaut, dass man sie nicht nur von selbst verlassen konnte. Manchmal sorgte auch die große Rechenmaschine für unfreiwilligen Abflug. Seltsames begab sich während des Spiels: ständig fragten sie sich – aber einige antworteten nicht. Manche, weil sie des Spiels nicht richtig mächtig waren und andere (erwähnt sei hier ein ganz berühmter Vogel, der sich allerdings einen Namen gegeben hatte, der eher bei Dackeln Verwendung findet) partout nicht im Stillen abfragen lassen mochten. Auch Lasi, stets im Sonntagsgefieder, gehörte zu dieser Gattung.

Wenn das Spiel nicht in ihrem Sinne lief, jammerten manche über den Zufall, die große, große Rechenmaschine oder deren Erfinder.

Natürlich gab es auch Streit und Hader auf Dokomania: eine Nachteule (eigentlich war sie aber Tag und Nacht aktiv), Frabi (die hauptberuflich auf Dokomania spielte, nebenbei aber noch alte, kranke Vögel pflegte), war manchmal sehr verkrätzt, sei es über andere Spielteilnehmer, sei es über zu häufige Vogelhochzeiten, sei es über die Rechenmaschine oder über sonstige Unzulänglichkeiten. Ob es an ihrer Art lag oder am Genuss eines betörenden Getränks, das ist auf Dokomania nicht bekannt. Besondere Abneigung hegte sie aber gegen eine Pfauenart. Hier focht sie immer besondere Sträuße mit Pflady aus, einer noch jungen Vertreterin ihrer Gattung, etwas gebildet (obwohl ihre Worte manchmal leicht verwirrt klangen) und etwas vorlaut. Häufig hockte diese sich beim Spiel auf die andern Vögel und trällerte und trällerte. Sie nannte sich dabei Kiebitz, aber mancher hatte Zweifel, ob sie wirklich zur Gattung der Pfaue und nicht eher zu der der Papageivögel zähle.

Alle Vögel waren stets sorgsam darauf bedacht, dass sich Frabi und Pflady nicht irgendwann so in die Federn kriegten, dass sie sich beide Augen auskratzten.

Es gab jedoch auch viele ruhige Gesellen auf Dokomania: der große Harha, der alle Regelwerke beherrschte, Fantasio und Domania, die seit einiger Zeit auch in der Runde der Meistervögel mitwirken durften. Sogar ein leibhaftiges Huhn, freundlich und bescheiden, sehr fleißig aber nicht immer so erfolgreich im Sammeln von Körnern, war auf dem fremden Stern.

Dann war da noch Rocko, im Spiel eher mittelmäßig und etwas vorlaut, der sich aber Verdienste dadurch erwarb, dass er regelmäßig Jungvögel trainierte, auf dass sie seine Spielweise übernähmen.

Manche Vögel traten in verschiedenem Gefieder auf und waren deshalb auch sehr bekannt auf Dokomania, so der stets gut gelaunte und gesprächige Alfa und die bunt gefiederte Pikan. An Bekanntheit übertroffen wurden sie nur vom Erfinder der Rechenmaschine, der sich seinen Namen bei einem großen Luftschiff lieh.

Es gab auch sehr gutmütige Vögel: ein schon älteres Exemplar, ein Seevogel aus dem hohen Norden, der selbst nicht jedes Wort auf die Goldwaage legte, spendierte immer wieder berauschenden Met für den Spieler, der die meisten Körner sammelte. Aber selbst diese großzügige Tat führte ab und an zu Unfrieden unter den Vögeln.

In jüngster Zeit kam das Gerücht auf, die große, große Rechenmaschine selbst verschlünge das eine oder andere Korn oder spuckte eins zusätzlich aus.

Aus südlichen Gefilden stammten die verrücktesten aller Vögel: der flotte Tenz, Besitzer einer schnellen Höllenmaschine, legte sich eine Bildersammlung der Vögel zu, der eher schon betagte Geröllvogel erfand sogar wahre Märchen über seine Mitspieler.

Natürlich musste auch Gerechtigkeit herrschen auf Dokomania. Hier achtete der große Niller, ein wahrhaft begnadeter Spieler, darauf, dass nicht etwa jemand die Brille des anderen aufsetzen möge oder sonstiges Ungemach passiere. Allerdings war er deshalb, und weil er gelegentlich Siegermet einforderte, nicht sehr beliebt auf Dokomania. Die Vögel trieben natürlich auch allerlei Schabernack: ein besonders sympathischer, aber auch bereits in Ehren ergrauter Vertreter seiner Gattung, er gab sich den seltsamen Namen 999, erfand sogar eine gar liebreizende Tochter, nannte sie Janna und ließ sie, recht erfolgreich, am Spiel teilhaben. Niemand merkte diesen Schabernack, selbst der große Niller nicht. Man spielte und flirtete mit dem Küken, auch Pflady und Frabi verstanden sich gut mit ihr und ganz Dokomania trug Trauer, als sich eines Tages herausstellte, dass Janna nur in der Phantasie ihres Erfinders existierte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spielen sie heute, morgen und übermorgen noch.

eingetragen am Sonntag, den 01. April 2001 um 08:23:45 Uhr