Dokomania Folge 7 - Barnie Geröllheimer, 01.01.2002 Eigentlich wurde Dokomania, unser Stern weit draußen im Universum, ja dereinst geschaffen als Zeitvertreib, um die Mühen des Alltags zu vergessen und Vögeln allen Alters, aller Gattungen und jeden Geschlechts die Möglichkeit zu bieten, spielerisch und in Eintracht zu entspannen.
Aber mit der Harmonie ist das so eine Sache: Bald zeigte sich, dass auch hier – ähnlich wie im Menschenreich selbst in Kindergärten – das Leben nicht ohne Zwist und Hader abgeht.
Der programmtechnisch, aber möglicherweise pädagogisch nicht so begabte Erfinder der Rechenmaschine sah sich alleine nicht in der Lage, die Funktion einer Oberkindergärtnerin zu übernehmen, vor allem, weil er sich ja – verkleidet als Luftschiff – selbst auch dem Spiel widmen wollte. Deshalb rief er einen Vogelrat, Spielerpolizei und -gericht gleichzeitig, ins Leben. Eine ganze Gruppe illustrer Vögel – unter Leitung des flotten Kougo – wacht seither über Recht und Ordnung, um zu verhindern, dass es in Selbstjustiz zu Ausschreitungen aller Art kommt. Diese Streitigkeiten entstehen insbesondere dann, wenn ein Vogel glaubt, ein anderer sei des Spiels, um das es hier geht nicht so mächtig wie er.
Die entscheidende Frage ist, wie Verstöße gegen die (übrigens ungeschriebenen) Gesetze geahndet werden: werden den süßen kleinen, aber manchmal zu vorlauten Vögeln die Schnäbel zugebunden? Werden Sie zwangsweise in güldene Käfige eingesperrt und dürfen nicht mehr mitspielen? Oder werden ihnen gar Körner, die sie sich rechtschaffen erworben haben abgenommen? Selbst eine Verbannung aus dem Paradies Dokomania soll zu den Sanktionsmöglichkeiten gehören. Was allerdings bisher wirklich diesbezüglich an Strafen verhängt wurde - das ist das große ungelüftete Geheimnis.
Worin bestehen nun diese Verstöße konkret? Manchmal aus verbotenen Absprachen oder Manipulationen meist aber nur in einem recht rauen Umgangston, um nicht zu sagen in unqualifiziertem Gekreische und Gezetere während des Spiels. Um jedem neutralen Beobachter, der mit den Gepflogenheiten hier nicht so vertraut ist einen klitzekleinen Einblick zu geben, sei hier ein solcher – sehr harmloser – Dialog wiedergegeben. Natürlich wurden die Namen der Beteiligten dabei bis zur Unkenntlichkeit verkürzt:
Fra: wo haste denn den scheiß gelernt
Tau: endlich isset wieder mal meine alte Fra.....so richtig schön bissig
Fra: in der qua... spielen sie ja besser
Kassel: halt einfach die Klappe wenn du keine Ahnung hast
Fra: der einzige der keine Ahnung hat und auch noch NIE hatte bist DU
Kassel: VOGELRAT
Hoo: na sauber Kinder
Wie das Ermittlungsverfahren in diesem wohl minder schweren Fall ausgegangen ist, wie lange der weise Rat über dieser Sache gesessen hat, ist bislang noch nicht in die Öffentlichkeit gedrungen.
Dabei sei am Rande erwähnt, dass all diese Vorfälle ja nicht quasi mündlichem Gezwitschere entstammen: nein, man kann sich auf Dokomania ja nur schriftlich unterhalten und die große Rechenmaschine zeichnet all dies minutiös auf.
Was aber auch seine Vorteile hat: So versteht man selbst Rocko blendend, dessen Nuscheln im Dialekt live eher schwer verständlich sein soll.
Dafür schafft es der große Anwei sogar, auf schriftlichem Weg zu SCHREIEN, und das ausgestattet mit einem Riesenrepertoire an Kraftausdrücken - es ist nicht bekannt ob über ihn auch schon Ermittlungsakten angelegt sind. Ihn wehte wohl ein scharfer Wind aus dem Osten, aus einer Burg mit einer Magd, in Richtung Dokomania.
Ja, so kommen die Vögel aus allen möglichen Gegenden: der Wundervogel schlechthin, der Meister aller Meister, schwarz wie eine Mischung aus Rabe und Krähe, aus einer Region (zusammen übrigens mit einer ebenfalls superben S-Henne, die aber augenscheinlich ein Hahn ist), die für ihre Fastnacht bekannt ist. Aus Tupperwal unsre altbekannten Flammvogel (nebst Gattin), Frabi und Niller, aber auch eine Reihe anderer begnadeter Vögel; aus einer Region minderen Bekanntheitsgrads der Präsident (der gerade mit Bravour die Schülermeisterschaft für sich entschieden hat) mit einigen hochbegabten Gefolgsleuten. Eine der buntesten Mischungen gedeiht jedoch unter der Sonne des Südens: ein lebhaftes Kriechtier, Mutter eines mehr als hoffnungsvollen Sprösslings, der auf Dokomania jedoch meist erst in stockfinsterer Nacht in Erscheinung tritt. Dann unser allseits bekannter rustikaler Tenz, schließlich der senile Geröllvogel, der das Märchenschreiben auch besser als das Spiel selbst beherrscht, sich aber bisher immer – und sei’s um Haaresbreite – dem Abstiegsstrudel im Reigen der Meister entziehen konnte und schließlich der Dot-Vogel (ein halbes Jahrhundert alt und so genannt, weil er sich nie ohne einen Punkt in seinem Namen unter seinesgleichen wagt) – ein militanter Gegner aller mit 6 Vögeln übervölkerten Tische.
Erst den zweiten Jahreswechsel erlebt Dokomania und trotzdem kann es bereits auf eine wechselvolle Geschichte mit Freud und Leid, Intrigen und Liebe, mit Streit und Versöhnung zurückblicken. Da kann man nur gespannt sein, was das dritte Jahr bringen möge.