Dokomania Folge 8 - Barnie Geröllheimer, 01.03.2002 Unübersehbar ist die Vielzahl an Gattungen, die auf Dokomania leben: Die eindeutig größte Gruppe sind ja die Dummvögel, die allerdings mehr und mehr unter Depressionen leiden. Ihr Guru ist immer noch nicht endgültig auf unsern Stern zurückgekehrt. Zum andern schafft es die große, große Rechenmaschine, sie seit einigen Monaten mit dem Ruf "Runde komplett - das Dummvogelspiel wird beende" mittendrin vom Tisch zu fegen, bevor sie allen andern mit ihrer einfältigen Spielweise den Spaß verderben können.

Die zweitgrößte Gruppe ist sicher die Geflügelfraktion: nur Gänse wurden noch nicht gesichtet - aber allein die Zahl an Hühnern, die auf Dokomania rumflattern würde jeden Wienerwald vor Neid erblassen lassen. Das geht vom rotgefiederten französischen Küken bis zur mächtigen S-Henne, die ja in Wahrheit (wie jeder weiß) ein mächtiger Hahn ist - mit mindestens soviel Federn im Gesicht wie auf dem Haupt. Dann ist hier noch ein ganzer Clan (oder sollte man besser sagen Klon?) zugange: das bekannteste Huhn sozusagen, in Mehrfertigung, und in der Lage, wie im Flug sein Federkleid zu wechseln. Seine Spielerfolge sind gemischt und so trieften den großen, schönen und begnadeten Supervögeln die Augen, dass soeben solch ein schnödes Huhn den Wettbewerb der Meister gewinnen konnte. Möge bloß niemand sagen: "Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn". Es waren immerhin derer 202 und um es so abzuwerten ist es doch viel zu sympathisch.

Überhaupt gehören die Vertreter dieser Gattung mit zu den liebenswertesten Zeitgenossen: Georg, die englische Ente besticht - egal wo er auftaucht - durch angenehmes Wesen und schönes Spiel. Verantwortlich für seine momentane Körnermisere ist aber ein sympathisches Chiccen, das ihn derzeit oft vertritt.

Mit etwas größerer Vorsicht sind die Meeresvögel zu behandeln: die blaue Möwe, nie um einen wehwehweh-Tipp verlegen und nach wie vor flugunfähig, ist natürlich keineswegs immer blau. Oder aber unser großer Seevogel, der ja öfter mal betörenden Met spendiert hatte, aber auch manchen Mitstreiter mit A..... titulierte oder aber mit Sch..... um sich warf. Es schien lange so, als ob er solche Eruptionen zum Versiegen gebracht hätte. Sei es, dass er sich den Schnabel selbst mit Leukoplast verklebte oder aber sich gar in einem echten Läuterungsprozess befände. Er war nämlich zeitweise sehr schweigsam geworden. Ob er sich meditierend in ein Kloster oder nur in seine Kühlanlagen zurückgezogen hat weiß man nicht. Zu vermuten ist, dass er ersatzweise für die oben zitierten Worte, die bei manch sensiblen Zeitgenossen Ärger hervorriefen, nun still und heimlich Ausdrücke wie "Hühnerpopo" und "Guano" übt. Ob das wirklich von Erfolg gekrönt sein wird weiß man nicht: vermehrt vernimmt man wieder leichtes Grummeln.

Der Trupp der nachtaktiven Vögel ist recht klein: der brave Uhu scheut weder Luise noch ein Risiko. Die Nachteule Frabi, früher mal das exponierteste Exemplar auf Dokomania, hat sich ein wenig aus der Schusslinie zurückgezogen und ist seit Monaten verhältnismäßig milde gestimmt.

Die Untergruppe der Kahlvögel besteht eigentlich nur aus einem Exemplar: nachdem dieser seine alten Federkleider verschenkt hat ist er zwar etwas trauriger geworden: aber Toupets gibt’s auf Dokomania nicht mal für Ritter. Das vermeintlich zweite Exemplar dieser Gattung ist, wie hier ja schon mal erwähnt, komplett getürkt: sie ist keineswegs glatzig sondern trägt extrem lange Federn. Mit gesundem Menschenverstand müsste man meinen, fast alle Bewohner gehörten in irgendeiner Art den Singvögeln an: mitnichten. Eigentlich ist sogar nur ein einziges Vögelchen bekannt, das des Singens wirklich mächtig ist, nennen wir sie deshalb doch einfach Sina. Sie trällert mit hellem Klang sogar in einem richtigen Chor. Außerdem gehört sie zu den Ureinwohnern auf Dokomania und befindet sich von Anfang an in einer Lern- und Übungsphase. Jeder, aber auch jeder mag sie. Dies alles (außer dem Singen) hat sie gemeinsam mit Melhuhn - so genannt, weil sie mit dem bekanntesten Huhn auf Dokomania virtuell-platonisch kooperiert.


Kürzlich konnten unsre eingangs zitierten Dummvögel aufatmen: mehr als 100 Dokomaniabewohner verließen den Stern, um sich in schnöder Realität anzusehen, wer sie denn wirklich seien. Und so fanden die Dummvögel plötzlich reichlich Platz sich auszubreiten - eine große Chance haben sie allerdings versäumt: man sagt, ihr großer Mentor, der ihnen immer überlegen gewesene 4. in der Reihe der Dummvögel, gab sich dort auch die Ehre - und so ist zu befürchten, dass sie ihn nie in Realität kennenlernen werden.

Es wird erzählt, alle seien sehr fröhlich gewesen, hätten getrunken (auch wenn unserm rustikalen Tenz der örtliche Met nicht so gemundet haben soll und er das deshalb quantitativ ausgleichen musste), gespielt (obwohl keiner sein Nagetier dabei hatte und die bunten Bildchen ganz alleine halten musste), gefeiert, die ganze Nacht bis hinein in den Morgen.

Und wenn sie nicht gestorben sind oder ihnen Alkohol die letzten Gehirnzellen geraubt hat, haben sie alle wieder auf Dokomania zurückgefunden.