Dokomania Folge 9 - Barnie Geröllheimer, 01.05.2002
Fast täglich landen Neuankömmlinge auf Dokomania. Was treibt sie wohl? Neugierde, der Rat guter Freunde, Freude am Spiel, das man dort Tag und Nacht betreiben könnte? Keiner vermag das zu sagen. Meist beginnen sie ganz anonym, zunächst an Spaßtischen, wenn sie’s ernster betreiben wollen dann an den Tischen der Schüler. Sie geben sich in ihren Federkleidern die verrücktesten Namen. Manche tauchen sogar zwei- oder mehrfach auf.
Sehr schnell stellt sich dann die Frage aller Fragen: das ist auf Dokomania immer noch das Fragen. Still oder laut, kurz oder lang, gekonnt oder nicht gekonnt. Da holt man sich - kaum dass man sich’s versieht - schnell eine rüde Bemerkung oder gar ein verbal blaues Auge.
Deshalb sei jedem Ankömmling geraten, seine Erfahrungen zunächst mit den friedvollsten, aber letztendlich doch schrägsten Bewohnern Dokomanias zu beginnen: den Dummvögeln. Sie sind geduldig, fragen nicht, nehmen keine Körner weg und stoßen nie beleidigende Worte aus. Sie unterscheiden sich untereinander nur durch ihre Nummerierung: 1,2, 3 oder 4.
Früher gab es einen Sonderfall darunter: Dummvogel 4 - er nannte sich so, obwohl er gar kein echter war.
Er zog sich aber nach einigen Monaten mehr oder weniger erfolgreichen Spiels ganz zurück. Nun verdichten sich Anzeichen seiner baldigen Rückkehr. Man spricht davon, dass er sogar ab sofort wieder eingreifen möchte. Das würde nicht nur sofortiges Freudengeheul seiner Spezies hervorrufen sondern auch deren Spielniveau stark anheben. Denn nach wie vor gibt es massive Klagen darüber, dass diese Dummvögel das Spiel (mit Ausnahme der Grundregeln) einfach nicht kapieren wollen. Mit die heftigsten Vorwürfe hört man vom großen Flammvogel, dem diese Kreaturen ein ganzes Pfund Körner zunichte machten, als einer von ihnen für einen abgeflogenen Mitspieler einspringen musste. Auf das Angebot, selbst diesen Part zu übernehmen reagierte der Flammvogel leider nicht. Aufgrund seiner exorbitanten Spielstärke wäre das den andern Vögeln aber vielleicht auch nicht gut bekommen.
In letzter Zeit ist der großen Rechenmaschine, die für den Spielbetrieb auf Dokomania sorgt, etwas der Dampf ausgegangen - was den Flugbetrieb enorm förderte und den Tagesablauf insgesamt recht zäh machte. Ihr Erfinder ist am Basteln, um wieder das gewohnte, zügige Spielvergnügen zu ermöglichen.
Eigentlich ist der Hauptzweck Dokomanias ja der faire Wettstreit im Spiel. Manchmal jedoch gibt es auch Auseinandersetzungen auf ganz andern Gebieten. So tobte kürzlich ein regelrechter Orthographie-Krieg.
Zugegeben, jede Grundschullehrerin würde rot werden, müsste sie all die Fehler korrigieren, die im großen Buch, das dem fachlichen Meinungsaustausch dienen sollte, zu finden waren. Man könnte ja diese Unzulänglichkeiten mit Großmut übergehen. Doch unser Rocko hat für jedermann in jeder Lebens- oder Spiellage einen Tipp parat, wie man was besser machen kann. Und da er zudem von sich sagt, bereits wesentlich mehr als ein Buch gelesen zu haben, belehrte er die Fehlerschreiber ziemlich oberlehrerhaft. Daraufhin raschelte es im Gebälk: Zwerge und Mäuse fielen über ihn her. Der arme alte Geröllvogel, wahrscheinlich nicht so belesen, ist bemüht, ja nicht in dieses orthographische Sperrfeuer zu geraten.
Aber das hat ja nun ohnehin vorerst sein Ende und viele solcher interessanter Randerscheinungen bleiben jetzt verborgen, denn das fachliche Meinungsaustauschbuch musste wegen brisanter wehwehweh-Adressen bis auf weiteres geschlossen werden.
So lieb er ist - ein bisschen verrückt ist er ja schon, unser alter Kahlvogel, Dauergast in fast jeder Folge, und so kahl auch wieder nicht, über dem Schnabel sollen sich ja doch noch einige Federn befinden: ist er mal zu sehr enttäuscht von der großen Rechenmaschine oder vom Spiel insgesamt, so pflegt er nach wie vor sein gesamtes Federkleid zu verschenken (wie sollen ihm da je richtige Federn nachwachsen!). Nicht dass er Dokomania damit verließe, nein, nach kurzer Zeit taucht er, freundlich wie er ist und immer war, in neuem Gewand wieder auf.
Eine nette (so steht’s in ihrem Namen auch geschrieben) Akteurin, bienenfleißig, aber stets am Rande des Abgrunds in der Meisterklasse spielend, ist Dschieni - man trifft sie fast ständig an Dokomanias Tischen.
Uff, fast vergessen, und das wär ja bei dieser Prominenz wirklich peinlich gewesen: unser ehemals vorlauter, riesiger junger Pfau Pflady, die schon als verschütt gegangen gemeldet war (und früher manchen Mitbewohner ganz schön geknuddelt hatte) soll unbestätigten Gerüchten zufolge unter dem Gefieder ihres Brüderchens (ist ihr das nicht zu eng?) wieder aufgetaucht sein.
Dies wird wohl nicht das letzte Versteckspiel in der Geschichte Dokomanias gewesen sein.