Lady
Das Große Fressen auf Dokomania
Wenn ihr dem Trugschluss auferlegen seid, dass auf Dokomania Harmonie herrscht, dann freut es mich um so mehr, euch eines besseren zu belehren. Intrigen brauen sich gewaltig zusammen. Der Himmel verfärbt sich dunkel und scheint den letzten Tag einzuleiten. Ein Vogel soll gehängt werden. Und warum? Ja. Das ist die große Frage.
Mehr oder weniger alle Dokomanie-Vögel haben sich dazu auf dem Marktplatz von Dokomania versammelt, bewaffnet mit Steinen. Denn wenn sich herausstellt, dass der Vogel, der gehängt werden soll, unschuldig ist, dann soll er nur gesteinigt werden. Und wenn ihr das ungerecht findet, dann möchte ich euch darauf hinweisen, dass der Vogel ja immerhin die anderen Vögel vom Spielen abgehalten hat und allein das eine Steinigung wert ist!! Aber schauen wir uns mal den Vogel genauer an. Klar erkennbar an seinem weichen Verhalten: Er hat nichts mit der Army zu tun und wird auch nie etwas damit zu tun haben wollen. Sein bester Vogelfreund Duckvogel klemmt sich beschämt in die hinterste Ecke des Marktplatzes, denn er kann kein Blut sehen und hofft daher, dass sein Freund schuldig ist und sauber gehängt wird.
Der böse Gegen-die-Army-Vogel wird auf den Marktplatz geführt. Schuldbewusst hat er sein Haupt gesenkt, während neben ihm fröhlich schwatzend pflady und Pfauer (von der selben Gattung und im etwa selben Alter) herlaufen und ab und zu ein belustigtes Grinsen auf den reumütigen Sünder werfen. Hinter ihm her läuft das kleine Huhn und schubbt den Gegen-die-Army-Vogel noch ein bisschen und lacht dabei gehässig. Beim Vorführen des Galgenvogels hat sich ein Gemurmel in den Reihen erhoben das schlagartig stoppt, als der Gegen-die-Army-vogel seinen Blick hebt. Trauer und Leere. (Wie dramatisch.) Eine kleine vorwitzige Vogelart blinkt aufgeregt mit den Augenlidern, und muss ihre Tränen zurückhalten. Sie ist der eigentliche Auslöser für seine Gefangenschaft. Auf Dokomania, muss hinzugefügt werden, ist es nämlich mit der Balz folgendermaßen: Ein männliches und ein weibliches Vögelchen dürfen nur ein Nest miteinander teilen, wenn dabei auch wirklich sicher gestellt ist, dass es zu einer Vergrößerung der Dokovogelgemeinde kommen wird. Nun hat man den Angeklagten aber dummerweise mit einem Gummitütchen über dem Schnabel erwischt und das ist ja der Beweiss dafür, dass der Gegen-die-Army-Vogel nur seinen Spass haben wollte und gar nicht an Vermehrung dachte. Und als das zu dem großen Niller getragen wurde, war das Drama perfekt. "Todesstrafe" waren seine knappen Worte. Und auch jetzt erscheint er in einem richterlichen Gewand und genießt die ehrfurchtsvolle Angst, die ihm entgegengebracht wird.
Das kleine vorwitzige Vögelchen bebt innerlich. Ihr Schnäbelchen zittert und plötzlich...nimmt sie ihren Stein und wirft ihn auf den großen Niller. Perplex dreht er sich in die Richtung aus der der Stein kam, sein Zorn wächst und vor lauter Wut vergisst er den Angeklagten. Er stürmt in die Massen, rasend vor Wut und in blinder Aggression stürzt er sich auf Hugovogel. Schüttelt ihn am Schlawittchen und fragt mit einer hohen Stimme: "Wer war das?" Hugovogel klopft sich die Kleidung sauber, räuspert sich und spuckt ihm ins Gesicht, worauf der große Niller lachen muss. Alle anderen Vögel halten gebannt die Luft an, denn während sich die beiden Vogelfreunde miteinander beschäftigen, hat der kleine vorwitzige Vogel den Gegen...-Vogel aus seinen Fesseln befreit. Dieser lässt sein kleines zitterndes Vögelchen im Regen (ja es hat natürlich angfangen mit regnen, habt ihr die dunklen Wolkenmassen vergessen?) stehen und rennt mit seinem Freund Duckvogel auf und davon.
Nun steht das kleine Vögelchen ganz alleine da, völlig verwirrt von dem Egoismus des Gegen...-Vogels, schaut die anderen Vögel an und watschelt traurig davon. Die anderen Vögel starren dem kleinen hinterher, packen dann ihre Karten aus und spielen im strömenden Regen Pfützendoko. Und die Moral aus der Geschicht verrat ich nicht!
Lady
eingetragen am Montag, den 02. April 2001 um 12:54:57 Uhr