Am 01.06.2001 12:26:00 schrieb Barnie Geröllheimer

Dokomania Folge 3

Wochen und Monate arbeitete die große, große Rechenmaschine, die für den Betrieb auf Dokomania zuständig ist, ohne Fehl und Tadel. Tag und Nacht, sieben Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr. Lediglich im Morgengrauen erlaubt sie sich immer 5 Minuten Pause, um die Körner zu zählen, die jeder Vogel erwirtschaftet (oder verloren) hat und um die Vögel in die richtige Reihung zu bringen. Schon dies allein rief unsre allseits bekannte Nachteule Frabi auf den Plan, die sich just um diese Zeit mit Dummvögeln und anderen Nachtschwärmern an den Tischen vergnügen wollte.

Doch eines Tages geschah es, dass die große, große Rechenmaschine ihren Dienst versagte - vielleicht handelte es sich auch um eine Art von Streik: nicht, dass man an den Tischen nicht spielen (oder sich mit Dummvögeln rumärgern) konnte. Nein, das nicht. Sie weigerte sich lediglich, zum Ende einer Spielperiode die schwächeren Meistervögel in die Klasse der Nachwuchsmeister zu verbannen (es ist nämlich so, dass viele Vögel den Ehrgeiz haben, an Tischen der besseren Vögel mitzuspielen, auch wenn sie dort oft dann kaum zum Körnerpicken kommen) und die nicht so geübten Nachwuchsmeister zurück an die Schülertische und umgekehrt.

Da hob ein Kreischen, Geschnattere, Gezwitschere und Gezetere an unter den Vögeln, wie es auf Dokomania bisher noch nie zu beobachten war: der große Niller (der im übrigen immer mit den Allgemeinen Geschwätzbedingungen - AGB’s - unter den Flügeln seine Kreise zieht) empfahl dem Erfinder der großen, großen Rechenmaschine, sich ggf. einen Sack Asche übers Haupt zu streuen. Der stolze Pfau Pflady, selbst immer Inbegriff der Unschuld, drohte sogar Ohrfeigen und das Verlassen von Dokomania an (wo käme in so einem fatalen Fall dann der Stoff für Märchen her?). Undenkbar, dass in solcher Situation die Nachteule Frabi auf ihr unüberhörbares Grummeln verzichten könnte. Es gab sogar einige Crazyvögel, die in dieser verwirrenden Situation das Gerücht streuten, der Erfinder der großen Rechenmaschine selbst habe Sand ins Getriebe gestreut, um seinem Abstieg aus der Meisterklasse zu entgehen. Der große, alte Seevogel, der ja nie seine Worte auf die Goldwaage zu legen pflegt (und der im übrigen auch einer Hauptbeschäftigung, dem Vertrieb von Kühlvogeltränken nachgeht), explodierte sogar geradezu - allerdings wegen der Ignoranz seiner Mitspieler. Er bezeichnete sie als Arschlöcher und sagte ein geplantes, nur dem reinen Vergnügen dienendes Treffen an seiner Mühle, bei dem ein Spiel ohne die große Rechenmaschine vorgesehen war, ab. Nur die vielen Dummvögel zeigten sich von der ganzen Entwicklung unbeeindruckt und leisteten ihre notwendigen aber ungeliebten Dienste wie eh und je.

Wie überall im Tierreich gibt es auch auf Dokomania alle Perönlichkeitstypen: ausgeflippte und angepasste, gesprächige und stille, mutige und verzagte, cholerische und stoische. Manche nehmen das spielerische Treiben auch so ernst, dass sie schier ausflippen, wenn andere Vögel sie durch Fehler am Körnerpicken hindern. So der große Anwei, dessen Brillennamen vorgibt, er würde nie alleine spielen und der nicht meisterhaftes Spiel mit wahren Schimpfkanonaden belegt - auch wenn er selbst manchmal Fehler begeht, weil er während des Spiels seine Nachrichtenübermittlungsmaschine bedient. Eines seiner Opfer war ein kleiner Kolibri - noch recht jung in der Meisterklasse. Überhaupt haben es Neulinge gerade in der Klasse der Meister schwer und treten nicht selten bald wieder den Rückweg an: der eine kommt vor lauter Brummen nicht zum Körnerpicken (man möchte meinen, es handle sich um eine Hummel und nicht um einen Vogel), eine andere deshalb nicht, weil sie (trotz Rockos moralischer Unterstützung) nur den Mut einer Häsin zeigt und unser allseits beliebter flotter Tenz wohl aus dem Grund, weil er sich zu wenig konzentriert und dauernd an schwere Höllenmaschinen denkt. Auch zu dieser Gruppe gehört ein sympathischer Zwitter - halb Männchen, halb Weibchen - das Meluhn, das sich gar durch Zufall für eine Periode in die Meisterklasse verirrt hat, dort aber so viele, viele Körner abgeben musste, dass es - halb verhungert - auch gleich wieder seinen Weg zurück in den Nachwuchsbereich antreten muss.

Aber ein Trost bleibt für alle diese vom Gespenst des Abstiegs geknechteten Kreaturen: der im Menschenreich gängige Spruch "They never come back" hat auf Dokomania zum Glück keine Gültigkeit.


Barnie