Am 01.07.2001 12:26:00 schrieb Barnie Geröllheimer

Dokomania Folge 4

Mancher Nichteingeweihte wird sich fragen, wie das Spiel, das die bunten Vögel auf Dokomania so fasziniert betreiben, funktioniert. Es geht ganz einfach: eine zufällige Mischung bunter Bildchen wird mit einem nagetierartigen Instrument bewegt. Alle Bildchen sind sogenannte Punkte wert. Wer am Schluss mehr als die Hälfte - oder aber mehr als er vorgab haben zu wollen - erreicht, gewinnt eine bestimmte Anzahl Körner.

Die Frage der Zufälligkeit dieser Mischung entflammt aber immer wieder Streit. Unsre liebe Nachteule Frabi beispielsweise, die im übrigen zu jedem Themenkomplex auf Dokomania, wie wenig sie auch immer davon verstehen mag, ihren Kommentar abgibt, zweifelt daran, dass die große Rechenmaschine die Bildchen wirklich richtig durcheinanderwirbelt. Und siehe da: hier verbündet sie sich sogar mit dem großen Niller, dem sie sonst geradezu spinnefeind gegenüber steht. Auch düstere Andeutungen, ob nicht gar der Erfinder und seine Erfindung unter einer Decke stecken, gab es bereits. Dies erzürnte die große, große Rechenmaschine derart, dass sie ihrem Herrn und Meister derart unschöne Bildchensammlungen gab, dass er aus der Meisterklasse bis in die Tiefen der Schülertische hinabgespült wurde. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass es gar nicht daran sondern an seiner manchmal unkonzentrierten Spielweise lag - wohl auch, weil ihn andere Vögel im Spiel ständig mit ihren Fragen bombardierten.

Ein besonders exotischer Vogel, Raini, den bisher noch kein Mitbewohner beim Dichten beobachtet hat, eher beim Jammern, wenn er - meist nach wenigen Spielen - den Tisch verlässt, mutmaßte in neuerer Zeit sogar, dunkle Mächte seien am Werk, die einzelnen privilegierten Vögeln besonders attraktive Bildchen zukommen ließen.

Unter den Vögeln gibt es wie überall auf der Welt solche, die sich gut leiden mögen und solche, die sich hassen. Im ersteren Fall bietet es sich an, auf dem Schoß des/der so Verehrten Platz zu nehmen und beim munteren Treiben des Körnerpickens zuzusehen. Es wäre interessant zu beobachten, ob es nicht nur während des Spiels sondern vielleicht schon in der Realität zu Vogelhochzeiten gekommen ist. Aber es muss nicht Liebe sein: auch um des Lernens willen bietet sich diese Position an. Aber dennoch, Frühlingsgefühle, wie im Menschenreich Gefühlswallungen zu einer bestimmten Jahreszeit genannt werden, sind auch auf Dokomania gehäuft zu beobachten. Besonders unsrer bekannten Nachteule Frabi wird extensiv nachgestellt: mehrere potenzielle Freier wetzen Ihre Schnäbel im Kampf um sie und scheuen sich dabei nicht, auch Zähne und Klauen einzusetzen. Diesen Kampf tragen die Freier, die sich im übrigen nur durch ihre Endziffer unterscheiden, in einem Buch aus, das die große, große Rechenmaschine für Mitteilungen aller Art zur Verfügung stellt. Der große Flammvogel beispielsweise, sofort unter Entzugserscheinungen leidend, wenn die Rechenmaschine auch nur die kürzeste Verschnaufpause einlegt, nutzt es, um allen Bewohnern seinen Schmerz bekanntzugeben. Eine wahrlich berichtenswerte Überraschung kam hier auch eben erst zu Tage: hinter unserem beliebten Meluhn, seines Zeichens Zwitter, eigentlich immer eher um Harmonie bemüht, soll sich zur Hälfte ein wahrer Drachen verbergen. Diese Offenbarung trug Mel viel Sympathie ein, ließ aber Frabi nicht ruhen: sie warf ihr Federkleid ab und outete sich auch als Drachen. Jedoch nicht als harmloses, braves Exemplar sondern als wahrer Schimpfdrachen, der ein derartiges Feuerwerk an unstrukturierten Beschimpfungen gegen alles losließ, dass der Erfinder und Maschinist der Rechenmaschine eine Notabschaltung dieses Buchs erwog. Er besann sich aber dann seines dicken Fells und setzte stattdessen auf die beruhigende Wirkung des Sommerlochs.

Unser altbekannter Rocko übrigens, der nebenberuflich eine Umschulung (zum geprüften Zocker?) macht, leistet möglicherweise auf Dokomania sein Praktikum ab.

Es gibt noch weitere verrückte Vögel hier: ein weibliches, noch junges, aber durchaus ethles Exemplar, gibt einmal vor, sehr langes Gefieder zu haben, wenn sie eine andere Brille aufsetzt, dann sieht man einen Kahlvogel vor sich - nicht zu verwechseln mit unserm netten, real gefiederfreien, aber reichlich betagten Kahlvogel, tausendfach präsent auf Dokomania nahezu zu jeder Tages- und Nachtzeit. Er leistet sich, wie so manche(r) Andere(r) einen ständigen Spagat zwischen Meister- und Nachwuchsmeisterklasse. Ein anderer - wahrlich flotter - Vogel, nennen wir ihn Kougo fällt immer wieder aus der Klasse der Meister, weil er das Spiel zwar sehr gut, aber mit zu hohem Mut betreibt. Da nützt es ihm auch nichts, dass er ganze Lehrbücher für Nachwuchsvögel verfasst.

Und wenn sie nicht gestorben sind, vermehren sie sich weiter und spielen morgen und übermorgen immer noch.

Barnie