Dokomania Folge 5 - Barnie Geröllheimer, 01.09.2001
Immer noch rund 400 Vögel bevölkern unsern Stern Dokomania, um sich spielerisch miteinander zu vergnügen. Genau lässt sich die Zahl nicht beziffern, da der ein oder andere sein Unwesen unter mehreren Brillen betreibt. Viele wollen nicht, dass man erkenne, wer sie wirklich seien und geben sich dazu die verrücktesten Namen. So gibt es eine Assel (sogar zweifach in der Meisterklasse vertreten), die aber keinesfalls das Spiel so gut beherrscht wie die, deren wahrer Name einer Assel am ähnlichsten ist, die sich aber wiederum zwei andere Namen zulegte, einer davon ist gar honigsüß.
Ein seltsamer Vogel gibt sogar vor, ein Weibchen, ja sogar ein Leittier zu sein. Beim näheren Hinsehen entpuppt er sich aber - groß, kräftig und mit Stoppeln im Gesicht als Männchen. Ornithologisch dürfte er zur Gruppe der schlauen Raben oder Krähen gehören: immer schwarz gekleidet und mit solcher Spielkunst gesegnet, dass ihm wohl kein zweiter das Wasser reichen könne. Bei seinem wirklichen Namen könnte man meinen er lebte nicht wie die andern in einem Nest sondern in einem Karton.
Ja, der Segen der Spielkunst ist fürwahr unterschiedlich verteilt auf Dokomania: manche beherrschen sie souverän und elegant, andere wiederum spielen geradezu tierisch (im Reich der Vögel eigentlich kein Wunder) - was die große, große Rechenmaschine, die ja bekanntlich den Betrieb auf Dokomania steuert, mit drastischem Körnerverlust bitter bestraft.
Zu den Highlights auf unserm Stern gehört auch der große Flammvogel, mit exzellenter Spielkultur ausgestattet, von dem ja bereits berichtet wurde: obwohl aufgrund zunehmender Leibesfülle die Flugfähigkeit etwas abgenommen hat, lässt er von Zeit zu Zeit sein Weib allein auf Dokomania zurück, um weiteren Ruhm und Ehre auf großen Wettbewerben zu suchen.
Die Nachteule Frabi ist - zumindest tageweise - sanft, lieb und zutraulich geworden: der Grund ist wohl, dass sie an ihrem Brautkleid schneidert, um sich - man glaubt es kaum - zu vermählen. Ihr Freier zählt 42 Lenze und ist vom Volke(r) der Nicht-Dokomanier. Eher ungewöhnlich, denn häufig spielen sich solche Romanzen auf Dokomania selbst ab: der allseits bekannte Kougo und seine Prinzessin Fantasia. Oder aber ein seliger Falke, der ein Küken auf Dokomania gefunden hat.
Völlig im Dunkeln liegt nach wie vor Zahl und Arbeitsweise der Dummvögel: sie tauchen immer aus dem Nichts auf, verschwinden wieder und noch niemandem ist es je gelungen, sie unter sich an einem Tisch beim Spiel zu beobachten. Nicht mal dem Vierten der Dummvögel, der sich, wie berichtet, in deren Kleid versteckt hatte. Vielleicht liegt es daran, dass er inzwischen seine Spielkultur derart verbessert hat, dass sie ihn nicht mehr als einen der ihren akzeptieren.
Im Zentrum der intellektuellen Erörterungen stand vor kurzem der Mischmotor der großen, großen Rechenmaschine: der pädagogisch, aber nicht immer im eigenen Spiel exzellente flotte Kougo hegt Zweifel, ob das Spielgerät, die bunten Bildchen, wirklich optimal durcheinandergewirbelt wird. Wissenschaftlich fundiert und mit einem Feuerwerk an statistischen Hilfsmitteln griff das Thema sofort der große Harha (in der Tat selbst auch momentan nicht sehr verwöhnt vom Bildchenglück) auf. Lausi, bisher nur als Organisator eines Vogeltreffens weit weg vom Stern Dokomania in Erscheinung getreten, erbot sich, gemeinsam mit Kougo und dem Erfinder der Rechenmaschine eine neue Mischmaschine zu konstruieren. Bei dieser Gelegenheit kam auch heraus, dass Rocko den 21. der Tische für vollkommen verhext hält und hier auch sein Spiel wohl nicht mehr betreibt.
Insgesamt verläuft das Leben auf Dokomania jetzt in sehr viel ruhigeren Bahnen, nachdem das große Buch entgegen allen Vorhersagen doch geschlossen wurde, weil es sich zum allgemeinen Müllplatz entwickelt hatte. Die Äußerungen der Vögel sind dadurch doch gesitteter geworden.
Für Aufregung und Abwechslung ist allerdings auch fürderhin gesorgt: so darf jetzt unser extravaganter Pfau Pflady ab sofort an den Tischen der Meister mitmischen.
So spielen sie weiter Tag und Nacht, an Werk- und an Feiertagen und wenn der großen Rechenmaschine nicht irgendwann endgültig die Luft ausgeht (von Zeit zu Zeit gibt sie ohnehin schon ihren Geist auf und meldet allen Spielwilligen, sie sei überlastet), spielen sie auch morgen und übermorgen noch.