Dokomania Folge 6 - Barnie Geröllheimer, 01.12.2001 Viel Zeit ist vergangen auf Dokomania, seit wir zuletzt von unseren spielenden und Körner pickenden Vögeln gehört haben.
Aber es hat sich nicht viel geändert: sie spielen Tag und Nacht, sammeln und verlieren Körner, freuen sich in ersterem und fluchen in letzterem Fall.
Nach Runderneuern bzw. Auswechseln der Mischmaschine hört man allerdings hier keine Klagen über Ungerechtigkeiten mehr - zu vermuten ist, dass sie mancher Vogel aber insgeheim schon im Geiste zertrümmert hat.
Wie eh und je gibt es aber fast immer irgendeine Art kleineren oder größeren Streit.
Zuletzt ging es dabei um die Frage, wie viele der süßen kleinen Vögel an einem der Tische Platz finden sollten. Es gab ein Hauen und Stechen, die Nachteule Frabi prügelte sich verbal mit einem Vogel, dessen Markenzeichen ein Punkt im Namen und eine mehr als freundliche Art ist. Der Erfinder der großen großen Rechenmaschine leistete sich dabei auch noch den Scherz, die Tische nicht mit der Zahl möglicher Vögel zu bezeichnen.
Apropos Scherz: erdreisten sich doch einige der Vögel (zum Teil jedoch mit schweizerischer Penetranz), Spaßtische zu fordern - als ob das Treiben auf diesem Stern rein dem Spaße dienen solle.

Über einen wahrhaft dramatischen Absturz, der auch zu nicht unerheblichen Unstimmigkeiten führte sei weiterhin berichtet: der wohl bekannteste Vogel auf Dokomania, seines Zeichens wahrhafter Präsident und Träger eines Namens, wie er üblicherweise im Menschenreich Dackeln zuteil wird, hat es in die Niederungen der Schülertische verschlagen. Dort sorgt er mit mehr oder weniger pädagogischem Geschick für ein wenig Aufregung. Alle wünschen ihm, dass er wieder in standesgemäßem Umfeld agieren könne.
Na ja, ganz weg aus diesem Bereich ist er denn doch nicht: es existiert nämlich ein ganz, ganz seltsamer Vogel in der Klasse der Meister. Er trägt den Namen eines Kaisers und ist eine brandgefährliche Mischung prominenter Vögel - keinesfalls minderer (aber so ähnlicher) Qualität.

Da wir schon bei den Höhenflügen sind: es gibt einen Vogel in der Meisterklasse, der spielt so gut, ist aber derart leise, dass man nie was von ihm hört und gerade noch seinen Namen kennt. Dennoch ist klar, welcher Herkunft er ist: eine Kreuzung aus einer El-ster und einem Dom-pfaff. Manchmal taucht er auch hinter weiblichem, selbstgebaste(l)tem Gefieder auf.
Ganze Familien geben sich inzwischen ein Stelldichein in der Meisterklasse: so bevölkert das Weibchen des großen Flammvogels ebenfalls diesen exklusiven Zirkel. Setzt sie sich aber an einen der Meistertische, dann kann man davon ausgehen, dass der große Flammvogel selbst schützend seine Flügel hinter ihr ausbreitet und sie im Zweifel dabei unterstützt, wie ihr Nagetier die bunten Bildchen optimal bewegen möge.

Ameisenarten tun sich recht schwer in der Meisterklasse - auch solche Vögel die selbst von sich behaupten, ohne Plan zu spielen und dadurch Gefahr laufen, zu den Nachwuchsmeistern umgetopft zu werden.

Die beständigste, bescheidenste Rolle auf Dokomania spielt nach wie vor der große Kahlvogel, dem fälschlicherweise an dieser Stelle Gefieder am Kopf angedichtet wurde: er ist zwar noch nicht tausendfach vertreten auf Dokomania, aber sicher mehr als einmal. Freundlicherweise hilft er sogar mal bei andern aus, die mit dem Körnerpicken nicht nachkommen. Insgesamt erlebt er sogar einen zweiten Frühling, während andere Senioren arg gerupft werden: der alte Geröllvogel konnte sich gerade noch dem Abstieg entziehen, dem greisen Seevogel ging sogar total die Puste aus - wahrscheinlich litten seine grauen Zellen durch zu langen Aufenthalt in den eigenen Kühlanlagen. Nur Wescha, der nebenberuflich die heiße Linie - eine Verbindung von Dokomania zur Außenwelt - betreibt, ebenfalls altersmäßig jenseits von gut und böse, schlug sich auch tapfer.

Bleibt noch vom flotten Tenz zu berichten, der so ungefähr in allen Klassen spielt - mehr oder weniger erfolgreich. Aber seine Begabung liegt ohnehin eher im Betrieb zweirädriger Höllenmaschinen und im Anlegen von Photodokumentationen. Richtig liebevoll hat er dem Dokomania-Album vor einiger Zeit einen neuen Umschlag verpasst.

Neben Neuzugängen gibt es natürlich auch Abwanderer aus Dokomania. Einige verschwinden auf Nimmerwiedersehen, andere nur temporär, um später unter einer anderen Brille wieder aufzutauchen, und wieder andere ziehen sich nur teilweise zurück.
Der prominenteste Abgang in den letzten Monaten verursachte ein großes Wehklagen beim Riesenschwarm der Dummvögel: ihr großer Meister, ihr Vorbild, dem sie immer nacheiferten, ohne je eine Chance zu haben, seine Spielkunst zu erreichen (er gewann im Vergleich mit ihnen immer), verließ Dokomania. Wie jeder weiß hatte er sich ja den Status eines Dummvogels (des 4. seiner Art) nur erschlichen, ohne je von der großen Rechenmaschine dazu autorisiert worden zu sein. Auch sein zweites ich (es trug die Farben eines nordischen Kickvereins), verließ den Stern. Nur die Neugierde treibt ihn immer wieder auf Dokomania zurück: er konsultiert dort regelmäßig das dicke Buch, in dem die Vögel ihre Sorgen, Nöte und Wünsche eintragen können.
Ganz Dokomania - nicht nur seine minderbemittelten Halbbrüder - freut sich auf seine Rückkehr. Vielleicht kann davon in der nächsten Folge schon berichtet werden.