Barnie Geröllheimer
Dokomania Folge 2
Das Leben auf Dokomania, dem Stern mit den spielenden und dabei Körner pickenden Vögeln geht unverändert weiter: ständig kommen neue Vögel hinzu, um sich an den Tischen zu bewähren. Können sie nicht genügend Körner picken, nimmt man ihnen gar zu viele weg, so klagen sie nach wie vor über den Zufall, die große, große Rechenmaschine oder deren Erfinder. Manchmal jammern sie auch arg über die bösen anderen Vögel und drohen damit, Dokomania für immer und ewig zu verlassen.
Einer der Meistervögel hoob auch deshalb ab von Dokomania, weil er hier kein Feuer mehr empfände. Er wollte sich seinem meisterlichen Spiel fürderhin nur noch in seiner Stadt am großen Hafen widmen. Das Wehklagen darüber war gar groß. Irgendwer muss die verbliebene Glut neu entfacht haben: so kehrte er wieder zurück.
Über eine echte Plage muss diesmal berichtet werden: gleichsam die Ratten auf Dokomania sind die sogenannten Dummvögel. Sie trauen sich nur aus ihren Verstecken, wenn die braven und anständigen Vögel in ihren Nestern und Höhlen weilen oder aber anderen Geschäften nachgehen. Dann bevölkern sie unnachsichtig alle Tische. Lediglich die Nachteule Frabi vertreibt sie (zusammen mit ein paar anderen Gesellen) auch manchmal um 5 Uhr morgens. Die Dummvögel sind allgegenwärtig: kaum verlässt einer unserer spielenden Gesellen den Tisch (freiwillig oder unfreiwillig) springt sofort ein Dummvogel ein und verdirbt den andern die Freude am Spiel. Dummvögel schaffen es letztendlich nie, Körner zu picken, aber auch allen andern gelingt das zusammen mit ihnen nicht.
Andererseits ist Dokomania doch auf die Dummvögel angewiesen: finden sich nur 3 zum Spiel zusammen, so ist man zähneknirschend froh um diese Kreaturen. Ein Dummvogel allerdings - der vierte in der Reihe dieser Spezies - ist eigentlich keiner. Er schleicht sich nur in diesem Gewand an die Tische. Man merkt es kaum - manchmal ist er etwas besser im Spiel und pickt Körner, nur so kann man ihm auf die Schliche kommen.
Auch Nachwuchs gibt es auf Dokomania: der Dorvogel, nicht zur Gruppe der Krähen, sondern zu der der weitverbreiteten Krämen gehörend, hat dies für Mai angekündigt. Wann das Küken, bedingt durch seine hervorragenden genetischen Anlagen, auch ins Spiel eingreift bleibt der Mutter überlassen. Lasst uns noch von 2 mehr oder weniger beleibten Bewohnern berichten: Hier gibt es unter den Meistervögeln einen, den großen Flammvogel, dem es keinesfalls genug ist, sich nur auf Dokomania dem Spiel zu widmen und sich dabei manchmal Worten eines bösen Wolfes zu bedienen. Er fliegt um die halbe Welt, um sein Können – er hält es sogar für göttlich – auch woanders unter Beweis zu stellen. Sein zweites Laster war dicker Rauch, den er ständig von sich blies. Als er sich davon befreite, nahm die Leibesfülle um 2 Dutzend Pfunde zu. Nichts jedoch gegen ein anderes sehr umgängliches Exemplar: eine Art blauer Möwe – deren Breite fast Flügelspannweite erreicht und die vorgab, ständig wie ein Kapitän über den Weltmeeren unterwegs zu sein. Allerdings gibt es keine verbürgten Augenzeugenberichte, dass es ihm trotz intensivem Bemühen gelang, jemals vom Boden abzuheben. Nicht zu verwechseln mit einem weiteren - allerdings nicht blauen - Bezwinger der Weltmeere, der den Meistervögeln für genau einen Monat die Ehre gab.
Was gibt es von den auf Dokomania bekanntesten Vögeln zu berichten:
- Die manchmal grummelnde Nachteule Frabi und der kleine, oft nölende Pfau Pflady zerzausen sich nur noch selten ihre liebreizenden Gefieder. Sie sind sogar inzwischen Körner pickend am selben Tisch gesichtet worden.
- Rocko, immer plaudernd, ja sogar oft zu Selbstgesprächen neigend, aber fleißig im Spiel, rast nach wie vor über die Tische und trainiert vereinzelt Nachwuchsvögel. Nach eigener Einschätzung ist er der erste Suchtfall auf Dokomania. Therapeutische Maßnahmen werden derzeit noch nicht erwogen. Wahrscheinlich hilft ohnehin nur die Abschaffung der Flatterrate, was ihm die ständige Präsenz auf Dokomania zu teuer machen würde
- der korrekte Niller hat für genau einen Monat die Meisterklasse verlassen, um auch den weniger begnadeten Vögeln die Segnungen seines Spiels zukommen zu lassen - er ist dadurch aber sehr viel ruhiger geworden
Über einen Vogel (dessen Phantasie einst ein Küken gebar) ist auch bereits berichtet worden: allerdings ging zunächst das Gerücht, er sei auf ganz natürliche Weise in Ehren ergraut. Inzwischen stellte sich aber heraus, dass sein Haupt wahrlich bar aller Federn ist - nennen wir ihn deshalb in Zukunft der Einfachheit halber Kahlvogel. Alle andern ehren ihn wegen seiner Freundlichkeit und wegen seines Alters, im Spiel nimmt er es aber mit manchem Jungen auf.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spielen sie heute, morgen und übermorgen immer noch.
Barnie